Amphibienwanderung 2016

Während in Teilen Deutschland die Laichzeit einiger Amphibienarten schon wieder zu Ende geht, so hat sie im Norden Deutschland grade erst begonnen.  Nun machen sich also wieder Erdkröte, Grasfrosch und Moorfrosch auf den Weg zu ihren Laichgewässern, um als erste Amphibien des Jahres Teiche und Tümpel zu besiedeln.

Die Wanderung aus den Winterquartieren im Wald beginnt mit den ersten frostfreien (> 5°C) und feuchten Nächten. Dies ist auch der Grund für die starken regionalen Unterschiede im Zeitpunkt dieser Wanderung. Im Frühjahr 2015 z.B. waren die Nächte in Rostock entweder warm, oder feucht. Die Kombination aus beiden Faktoren blieb lange Zeit aus, so dass eine richtige Massenwanderung überhaupt nicht stattfand.

Nun, am 02.04.2016 war es nun endlich auch in Rostock soweit. Schon auf dem Weg zu den Wald-Gewässern, an denen ich fotografieren wollte, musste ich immer wieder anhalten und wandernde Frösche und Kröten von der Straße sammeln. Also, liebe Autofahrer: Gebt im Frühling Acht auf wandernde Amphibien, besonders nach milden, feuchten Nächten.

In diesem Blogpost möchte ich drei der früh wandernden Amphibienarten Deutschlands kurz vorstellen, den Grasfrosch, den Moorfrosch und die Erdkröte. Dabei geht es hier vorrangig um schöne Bilder und wichtige Merkmale, denn für Details gibt es ja Wikipedia.

Grasfrosch (Rana temporaria)

Der Grasfrosch bildet zusammen mit dem Moorfrosch (Rana arvalis) und dem Springfrosch (Rana dalmatina) die Sammelgruppe der Braunfrösche. Die drei Braunfrosch-Arten sind nicht ganz einfach zu unterscheiden, aber das geschulte Auge erkennt die Unterschiede, die nachfolgend aufgeführt werden.

Der Grasfrosch ist mit im Schnitt 7 - 10 cm Kopf-Rumpf-Länge der größte Braunforsch und wirkt meist etwas "plump". Farblich sind die Grasfrösche sehr variabel, so dass die Farbe kein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal ist. Die Männchen können zur Laichzeit durch die Ansammlung von Lymphflüssigkeit leicht bläulich erscheinen (siehe nachstehendes Foto) , jedoch nicht so stark wie die Männchen des Moorfrosches.

Der Ruf des Grasfrosches klingt wie ein Knurren.

männlicher Grasfrosch (Rana temporaria) mit leichter Blaufärbung zur Laichzeit.

Die Weibchen des Grasfrosches hingegen weisen des Öfteren einen erhöhten Rotanteil auf. Zur Paarungszeit werden sie von den Männchen mit deren starken Vorderbeinen umklammert (siehe Bild unten). Diese Amplexus genannte Umklammerung dient der Konkurrenzvermeidung und der Sicherstellung der Befruchtung, sobald Eier und Sperma ins Wasser entlassen werden.

Grasfrosch-Paar im Amplexus

Moorfrosch (Rana arvalis)

Der Moorfrosch ist schlanker und zierlicher als der Grasfrosch (Kopf-Rumpf-Länge 5-6 cm). Auch der Moorfrosch ist farblich sehr variabel. Als Unterscheidungsmerkmal zum Grasfrosch dient das in Relation zum Auge kleinere Trommelfell sowie die Schnauzenform. Während diese Beim Grasfrosch eher rund und stumpf ist, ist sie beim Moorfrosch eher schnabelförmig (siehe unten).

männlicher Moorfrosch (Rana arvalis) im blauen "Balzkleid"

Zur Laichzeit färben sich die Moorfrosch-Männchen intensiv blau. Die Stärke der Blaufärbung variiert nach meiner Erfahrung mit der Bestandsdichte der Population. Umso mehr Frösche in einem Teich balzen, desto stärker ausgeprägt ist die Blaufärbung. Für den Naturfotografen sind die blauen Frösche ein beliebtes Motiv. Da die Blaufärbung aber meist nur eine Woche anhält, sollte man in kurzen, regelmäßiges Abständen die Laichreviere aufsuchen, um den Höhepunkt der Balz nicht zu verpassen. Der Moorfrosch ist in Deutschland stark gefährdet, mit Populationsschwerpunkten im Norden und Osten Deutschlands.

Der Ruf des Moorfrosches klingt wie das Gluckern, das eine Flasche beim Untertauchen im Wasser macht. Klingt doof, ist aber so.

Moorfrosch (Rana arvalis) mit Laich

Erdkröte (Bufo bufo)

Die Erdkröte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 9 cm (Männchen) bis 12 cm (Weibchen). Die größeren Weibchen zeichnen sich zudem durch einen erhöhten Rotanteil aus. Im Gegensatz zu den Fröschen besitzen Kröte eher kurze Hinterbeine und bewegen sich daher auf allen Vieren schreitend. Neben dem Grasfrosch gehört die Erdkröte zu den häufigsten Amphibien Europas.
Oftmals finden sich Erdkrötenpaare schon auf der Wanderung zum Laichgewässer, woraufhin sich das Männchen huckpack zum Laichgewässer tragen lässt (Amplexus). In den meisten Erdkrötenpopulationen herrscht ein starker Männchenüberschuss, sodass man oft beobachten kann, wie mehrere Männchen ein Weibchen umklammern. Diese überschwängliche Begattung kann auch zum Ertrinken des Weibchen führen. Auch Fehl-Umklammerungen zwischen zwei Männchen kommen häufig vor. Um diese Fehlpaarung zu signalisieren, stoßen die umklammerten Männchen oft hohen Quiecktöne aus.

Erdkröten-Paar (Bufo bufo) im Amplexus auf dem Weg zum Laichgewässer

Für Naturfotografen ist die Laichzeit der heimischen Amphibien immer eine tolle Möglichkeit. Dieses beeindruckende Schauspiel sollte man nicht verpassen. Die liebestollen Frösche legen deutlich weniger Scheu an den Tag als im Rest des Jahren, so dass man sich so auf nahe Distanz nähern kann.

 

Viele Grüße,

Sören

Farbvarianten bei Libellen

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Für mich gehört es einfach zur Naturfotografie, die fotografierte Tierart auch zu bestimmen. Doch manchmal passt keines der in den Bestimmungsbüchern abgebildeten Tiere auf jenes, welches man gerade fotografiert hat. Dies bringt mich zum Thema des heutigen Blog-Eintrags: Farbvarianten bei Libellen.

In vielen Libellenarten können bei den Weibchen verschiedene Farbvarianten (Morphen) auftreten (Polymorphie). In den meisten Bestimmungsbüchern ist hingegen nur die häufigste Farbvariante abgebildet, wodurch es durchaus zu Schwierigkeiten bei der Artbestimmung kommen kann.

Die wahrscheinlich interessanteste Farbvariante ist die androchrome Morphe. Androchrome Libellenweibchen ahmen ihre männlichen Artgenossen nach, indem sie deren typische Farben tragen. Weibchen in der typisch weiblichen Farbgebung werden gynochrom genannt. Die Farbgebung ist dabei genetisch bestimmt, d.h. nicht flexibel wie etwa bei Chamäleons. Ich werde versuchen, dieses interessante Thema anhand der Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa) zu verdeutlichen.

Männchen der Art Lestes sponsa zeichnen sich durch eine blau-grünliche Farbgebung und blaue Augen aus, während die Weibchen typischerweise in kupfer- oder bronzefarben sind und braune Augen besitzen. Der männliche Hinterleib endet mit einer Greifzange (Cerci), welche benutzt wird, um das Weibchen im Zuge der Paarung am Nacken zu packen. Der weibliche Hinterleib endet hingegen mit dem Ovipositor, einer Legeröhre zur Eiablage. Das nachstehende Bild zeigt ein sogenanntes Tandem, bestehend aus einem Männchen (oben) und einem typischen, gynochromen Weibchen (unten). Normalerweise bleibt das Tandem auch nach der erfolgreichen Paarung und Eiablage bestehen, wodurch das Männchen effektiv verhindern kann, dass sich das Weibchen noch mit anderen Männchen verpaart. Mehr zu Paarung bei Libellen ist hier nachzulesen.

Ein Paarungstandem aus einem Männchen (oben) und einem gynochromen Weibchen (unten). Das Bild entstand am frühen Morgen (daher die Tautropfen). Die Paarung und Eiablage fand vermutlich am Vortag statt. Gut zu sehen ist die typisch blaue Farbgebung des Männchens und die typisch kupferne Farbgebung beim Weibchen (gynochrome Morphe).

Ein Paarungstandem aus einem Männchen (oben) und einem gynochromen Weibchen (unten). Das Bild entstand am frühen Morgen (daher die Tautropfen). Die Paarung und Eiablage fand vermutlich am Vortag statt. Gut zu sehen ist die typisch blaue Farbgebung des Männchens und die typisch kupferne Farbgebung beim Weibchen (gynochrome Morphe).

The Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) ist normalerweise eine einfach zu bestimmende Art. Ihre typische Flügelhaltung in Ruheposition verrät ihre Zugehörigkeit zur Familie der Teichjungfern (Lestidae). Eines Morgens jedoch fand ich eine Teichjungfer, die ich zunächst nicht korrekt identifizieren konnte.  Der Form des Hinterleibs nach handelte es sich eindeutig um ein Weibchen (die Legeröhre war gut sichtbar), aber sowohl Körper als auch Augen waren blau (siehe untenstehendes Bild). In meinem Bestimmungsbuch gab es jedoch keine europäischen Teichjungfern mit blauen Weibchen.

Blau gefärbtes Lestes sponsa Weibchen (=androchromes Weibchen)

Blau gefärbtes Lestes sponsa Weibchen (=androchromes Weibchen)

Erst später fand ich heraus, dass ich ein androchromes Weibchen von Lestes sponsa gefunden hatte. Die Existenz dieser Farbvarianten war mir bis dahin völlig unbekannt. Einer wissenschaftlichen Veröffentlichung nach, waren aber immerhin 18,5% einer schwedischen Population an Binsenjungfern androchrom. Diese Farbmorphe ist also nicht so selten, wie man es anhand der fast völligen Nicht-Beachtung in den gängigen Bestimmungsbüchern erwarten würde.

Zum Vergleich zeigt die nachstehende Collage ein Mänchen (oben), ein typisches Weibchen (gynochrome, mittig) und ein androchromes, Männchen-nachahmendes Weibchen (gynochrome, unten) der Art Lestes sponsa.

Die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa), Vergleich der Geschlechter und weiblichen Farbvariationen: oben: typisches, blau gefärbtes Männchen. Beachte den schlanken Hinterleib und die Cerci am Ende. mittig: typisches, kupferfarbenes Weibchen (gynochrome). unten: androchromes Weibchen mit blauer Körperfarbe und blauen Augen (vgl. Männchen).

Die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa), Vergleich der Geschlechter und weiblichen Farbvariationen:
oben: typisches, blau gefärbtes Männchen. Beachte den schlanken Hinterleib und die Cerci am Ende.
mittig: typisches, kupferfarbenes Weibchen (gynochrome).
unten: androchromes Weibchen mit blauer Körperfarbe und blauen Augen (vgl. Männchen).

Doch warum ahmen manche Libellenweibchen ihre männlichen Artgenossen nach? Eine der gängigsten Hypothesen erachtet "männliche Belästigung" als wichtigen Faktor in der Evolution androchromer Farbmorphen. Wie man sich denken kann, erhöht es nicht grade die Überlebenschance des Weibchens, wenn es vom Männchen am Nacken gepackt wird und stundenlang mit diesem als Tandem herumfliegen muss. Insektenfressende Vögel und Frösche werden ein Tandem mit Sicherheit einfacher erbeuten können als eine einzelne Libelle.

In der Tat zeigen einige Studien, dass Libellen-Männchen normal gefärbte (gynochrome) Weibchen bevorzugen, während androchrome Weibchen deutlichen seltener im Tandem beobachtet werden können. Androchrome Weibchen entziehen sich dadurch erfolgreich der männlichen Umklammerung. Der Nachteil dabei ist, dass diese Weibchen entsprechend seltener befruchtet werden. Diese Studien fanden allerdings auch heraus, dass sich der Fruchtbarkeits-Nachteil androchromer Weibchen umkehrt, wenn die Populationsdichte der untersuchen Art hoch ist. In diesem Fall steigt die männliche Belästigung gegenüber gynochromen Weibchen auf ein Maß, dass deren Fruchtbarkeit deutlich senkt (z.B. durch Stress oder Fraßfeinde). In diesem Fall konnten sich androchrome Weibchen erfolgreicher vermehren.

Einfach gesagt:

Gibt es an einem Teich nur wenige Exemplare einer Libellenart, so ist die männliche Belästigung für gynochrome Weibchen "erträglich", während viele androchrome Weibchen garnicht erst beachtet werden und somit keinen Nachwuchs produzieren. Unter diesen Umständen sollte die Zahl androchromer Weibchen in der Folgegeneration sinken. Bei hoher Populationsdichte sinkt die Fruchtbarkeit gynochromer Weibchen allerdings unter das Niveau androchromer Weibchen (da z.B. 10 Männchen ein gynochromes Weibchen belästigen, während ein androchromes Weibchen nur von einem Männchen umgarnt wird). In diesen Populationen würde man eine Erhöhung der Zahl androchromer Weibchen in der nächsten Generation erwarten.

Das Phänomen androchromer Libellen-Weibchen könnte daher auf einem Populationsdichte-abhängigen negativen Effekt männlichen Werbeverhaltens auf die weibliche Fruchtbarkeit beruhen.

Ein sehr interessantes evolutionsbiologisches Thema, welches leider nicht sonderlich intensiv untersucht wird.

Viele Grüße,

Sören

 

Quellen:

1. "A preliminary study on female-limited colour polymorphism in Lestes sponsa"; Outomuro D, Söderquist L, Rodriguez-Martinez S & Johansson F; International Journal of Odonatology 2014.

2. "Density-Dependent Male Mating Harassment, Female Resistance, and Male Mimikry"; Gosden T.P. & Svensson E.I.; The American Naturalist 2008

 

 

 

 

 

 

Ein Leitfaden für Makrofotografen - Teil 3: Die Kameraeinstellungen

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Teil 1: Die Ausrüstung

Teil 2: Die Vorbereitung

Teil 3: Die Kameraeinstellungen

Heute möchte ich mit euch durch meine empfohlenen Kameraeinstellungen zur Makrofotografie gehen. Hierzu habe ich das sogenannte "Super Control Panel" meiner Olympus E-M5 abfotografiert. Diese praktische Menü zeigt mit einen Knopfdruck die wichtigsten Einstellungen, die dann auch direkt in diesem Menü mit Hilfe der Tasten und Räder verändert werden können.

Das Olympus SCP (Super Control Panel): Alle relevanten Einstellungen auf dem Bildschirm

Das Olympus SCP (Super Control Panel): Alle relevanten Einstellungen auf dem Bildschirm

Generelle Kamera-Einstellungen

  • Der ISO-Wert:
    Bei der Makrofotografie geht es um Details, daher ist Bildrauschen noch störender als in anderen Genres der Fotografie. Daher gilt: Setzt den ISO-Wert auf "Base-Iso" (häufig ist dieser 100, bei der E-M5 ist es 200), es sei denn, die Verwacklungsgefahr aufgrund langer Belichtungszeiten zwingt euch dazu, die Sensorempfindlichkeit zu erhöhen.
     
  • Der Bildstabilisator (IS):
    Laut Herstellerangaben ist es empfohlen, den Bildstabilisator zu deaktivieren, wenn man mit dem Stativ fotografiert. Angeblich führt dieser ein Eigenleben, wenn es keinerlei Verwackelungen zu stabilisieren gibt. So richtig sichtbar ist dieser Effekt meiner Erfahrung nach allerdings nicht.
     
  • Der Weißabgleich (WB):
    Der automatische Weißabgleich verrichtet für mich zuverlässig seinen Dienst. Im RAW-Format lässt sich der Weißabgleich zudem auch nachträglich korrigieren.
     
  • "Anti-Shock" und Timer: Da ich mittlerweile schon mehrere Kabelbrüche bei Kabelfernauslösern hatte (wer billig kauft, kauft doppelt...), benutze ich meistens einfach den kamerainternen 2s Self-Timer. Das Ziel ist, keine Schwingungen vom Auslöse-Vorgang auf die Kamera zu übertragen, bzw. diese "abschwingen" zu lassen, bevor die Kamera auslöst. Den Timer kombiniere ich mit der sogenannten Anti-Shock Funktion (symbolisiert durch das Rauten-Symbol). Bei spiegellosen Kameras ist der Verschluss im Ruhezustand offen, bei der Aufnahme schließt er sich also zunächst, bevor er dann für die Aufnahme wieder geöffnet wird. Dieser Vorgang verursacht kleine Vibrationen. Die Anti-Shock Funktion bewirkt, dass zwischen dem Schließen und dem Öffnen des Verschlusses eine kleine Pause eingelegt wird, so dass die Vibrationen abklingen können. Ein ähnliches Ziel verfolgt die "Spiegelvorauslösung" bei DSLRs.
     
  • Der Fokus-Modus: Der AF ist im Makro-Bereich kaum zu gebrauchen. Manueller Fokus (MF) ist hier das Mittel der Wahl.
     
  • Das Speicherformat: Ich empfehle auf jeden Fall das RAW-Format zu benutzen, dann mit diesem lassen sich Weißabgleich, Belichtung, Farbtemperatur, Kontrast etc. verlustfreier korrigieren. Dazu werde ich auf jeden Fall noch was schreiben, wenn dieser Leitfaden beim Thema Bildbearbeitung angekommen ist. Zusätzlich speichere ich noch die JPGs in maximaler Qualität, denn diese sind bei Olympus teilweise so hervorragend, dass sich eine RAW-Bearbeitung erübrigt.
     
  • Die Belichtungskorrektur: Ich korrigiere die Belichtungszeit meistens etwas nach oben(z.B. + 0,7 oder sogar + 1,0, wie im Screenshot zu sehen), denn zum Einen mag ich meine Bilder recht hell, zum anderen führt Schattenaufhellung bei der Olympus schnell zu unschönem Bildrauschen. Generell halte ich mich an die Regel: Expose to the right.

     

Blende und Belichtungszeit

Eines der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Makrofotografie ist die Wahl der passenden Blende. Je geschlossener die Blende (=je größer die Blendenzahl), desto größer ist die Schärfentiefe. Den Effekt auf das Foto habe ich versucht, mit unten zu sehender Blendenreihe zu verdeutlichen. Gleichzeitig verlängert sich beim schließen der Blende die Belichtungszeit, da weniger Licht auf den Sensor fällt.

Was können wir anhand dieser Blendenreihe erkennen? Das erste Bild wurde mit Offenblende (f/2) geschossen und es leidet unter zu geringer Schärfentiefe. Wichtige Teile des Motivs (z.B. die Flügelkante) befinden sich nicht in der extrem dünnen Schärfenebene und der Hintergrund ist zu einem monotonen Grün geworden, was das Foto ziemlich langweilig macht.
Die beiden folgenden Bilder (f/4 und f/5,6) gefallen mir gut. Die relevanten Teile des Insekts sind scharf und der Hintergrund bekam ein bisschen Struktur durch in der Unschärfe liegende gelbe Blüten. Das f/5,6 Bild ist hierbei mein Favorit, da der Hintergrund noch mehr Farbnuancen enthält, ohne störend zu wirken. Bei Blende f/8 ist dieser Effekt noch verstärkt, wobei der Hintergrund hier schon mit dem Auge des Betrachters um Aufmerksamkeit konkurriert. Außerdem kommen wir bei f/8 langsam in Belichtungszeiten, die sich nur bei absoluter Windstille realisieren lassen. Bei f/11 zeichnet sich bereits ein Dickicht aus Grashalmen im Hintergrund ab. Das Bild mit maximal geschlossener Blende (f/22) zeigt den krautigen Hintergrund und hat eine Belichtungszeit von 1,3 Sekunden, wodurch sich Verwacklungen sehr einfach einschleichen können. Weiterhin lässt die Schärfeleistung der Objektive bei derart geschlossenen Blenden ab (Stichwort Beugungsunschärfe).

Für Anfänger empfiehlt es sich auf jeden Fall, das gleiche Motiv mit verschiedenen Blendeneinstellungen zu fotografieren, dann oftmals zeigen sich kleine, aber wichtige Unterschiede erst zu Hause am größeren Bildschirm.

Zu beachten ist, dass die Schärfentiefe auch von der Sensorgröße abhängig ist. Der Sensor einer Kleinbildkamera ist viermal so groß wie der meiner Olympus. Um die gleiche Schärfentiefe zu erreichen, muss die Kleinbildkamera also 2 Blendenstufen weiter abgeblendet werden. Mein Favorit der oben gezeigten Blendenreihe (f5,6) entspräche also f/11 mit einer Kleinbildkamera. Dies kann dazu führen, dass die resultierenden langen Belichtungszeiten mit einer Erhöhung des ISO-Wertes kompensiert werden müssen. 
Kompaktkameras haben das umgekehrte Problem: Ihr Sensor ist klein, die Schärfentiefe dadurch sehr groß. Dies führt dazu, dass oftmals schon bei Offenblende der Hintergrund störend scharf ist (vgl. f/22 in obiger Blendenreihe).

Beste Grüße,

Sören

Ein Leitfaden für Makrofotografen - Teil 2: Die Vorbereitung

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Teil 1: Die Ausrüstung

Teil 2: Die Vorbereitung

Teil 3: Die Kameraeinstellungen

Zur erfolgreichen Makrofotografie gehört neben der Ausrüstung (siehe Teil 1 meines Makrofotografie-Guides) auch die passende Vorbereitung. Im zweiten Teil meiner Workshop-Serie möchte ich mich daher dieser widmen.

1. Den Wecker stellen:

Die unangenehme Wahrheit zuerst: Makro-Fotos, wie ich sie in meinem Portfolio zeige (und hierauf bezieht sich dieser Leitfaden ausdrücklich), verlangen es oft, zu sehr unangenehmen Zeiten die Wärme des Bettes zu verlassen. So entstehen die meisten meiner Bilder im ersten Licht des Tages, was im Sommer manchmal dazu führt, dass ich mich um 4 Uhr morgens in der Natur befinde. Doch das frühe Aufstehen lohnt sich als folgenden Gründen:

  • Die Kältestarre: So manch ein Leser wird sich bei Teil 1 des Leitfadens gefragt haben, wie man, wie von mir empfohlen, ein Stativ nutzen soll, ohne das Motiv zu verjagen. Die Antwort liegt in der Biologie der Tiere. Meine Motive (Insekten, Spinnen, Amphibien & Reptilien) sind wechselwarm, d.h. ihre Körpertemperatur wird von der Umgebungstemperatur bestimmt. Dies führt dazu, dass ihre Bewegungsfähigkeit bei kühlen Morgentemperaturen stark eingeschränkt ist. Einer Libelle in der Kältestarre könnt ihr euch problemlos bis auf wenige Zentimeter nähern. Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass die bewegungslosen Motive deutlich schwieriger ausfindig zu machen sind. Unsere Augen reagieren auf Bewegungen. Regungslose Insekten zu entdecken erfordert somit etwas Übung. Ein weiterer Nachteil ist natürlich, dass ihr früh morgens nicht alle Verhaltensweisen dieser Tiere fotografieren könnt.
    Als gute Nachricht für Morgenmuffel lässt sich sagen, dass oben Genanntes auch im begrenzteren Maße für die Abendstunden zutrifft.
     
  • Das Licht: Zu keiner anderen Tageszeit findet ihr so weiches Licht vor, wie in den frühen Morgenstunden. Im ersten Teil habe ich unter dem Stichwort "Diffusor" schon kurz beschrieben, wie störend hartes Sonnenlicht bei der Makrofotografie ist. Weiches Licht ist der Schlüssel zu detailreichen Aufnahmen und schönen Farben. Die Abendstunden sind auch hier ein guter Ersatz.
     
  • Der Wind: Wie in Teil 1 zum Thema "Pflanzenklammer" beschrieben, ist Windstille eine Voraussetzung für erfolgreiche Makrofotografie. Was den Wind betrifft, so sind die frühen Morgenstunden deutlich ruhiger.
     
  • Tautropfen: Dies ist ein zweischneidiges Schwert. Tautropfen können dem Bild oftmals das gewisse Etwas geben. Zu viele Tropfen führen allerdings manchmal dazu, dass das Motiv darunter kaum noch zu erkennen ist. Durch die nächtliche Abkühlung entsteht Tau vor allem früh morgens.
     
  • Das Erlebnis: Ich kann euch sagen, die Einsamkeit, die Ruhe und das zarte Erwachen der Natur am frühen Morgen entschädigen für das frühe Aufstehen. Probiert es aus, es lohnt sich.

Eine Schlankfliege (Leptogaster cylindrica) in der morgendlichen Kältestarre, von Tautropfen bedeckt und mit tau betropftem Spinnennetz im Hintergrund.

2. Die Wettervorhersage prüfen:

Neben dem Stellen des Weckers gehört auch das Prüfen der Wettervorhersage zum festen Bestandteil meiner Vorbereitung auf eine Makro-Tour. Denn wenn das Wetter nicht mitspielt, kann man sich das frühe Aufstehen auch sparen. Auf folgende Werte achte ich besonders:

  • Die Temperatur: Meiner Erfahrung nach sind morgendliche Temperaturen von < 15 °C nötig, um verlässlich Insekten in der Kältestarre fotografieren zu können. Nach warmen Sommernächten kann es daher vorkommen, dass eure Motive auch um 4 Uhr morgens schon aktiv sind.
     
  • Der Wind: Der für mich wichtigste Faktor in meiner Planung. Als Kind der Küste macht dieser mir meistens einen Strich durch die Rechnung. Bei Wind kann man im Makro-Bereich das Bild nicht gestalten und nicht punktgenau fokussieren, da selbst der kleinste Windstoß das Motiv durch den ganzen Bildausschnitt schiebt. Als grobe Faustformel gilt für mich: Unter 15 km/h stelle ich mir den Wecker, unter 10 km/h herrschen für mich paradiesische Bedingungen. Wie gesagt, dies ist eine echte Seltenheit hier im Norden. Wir kennen ja alle den Standardsatz im Tagesschau Wetter: "Der Wind weht schwach bis mäßig, im Norden frisch mit teilweise kräftigen Böen an den Küsten".
    Natürlich empfiehlt sich, den Blick auf die Wetterdaten mit dem Blick aus dem Fenster zu kombinieren, denn das Mikroklima in eurem Foto-Gebiet kann sich deutlich unterscheiden.
     
  • Sonne, Wolken und Regen: Makrofotografie bei Regen macht keine Freude, auch nicht mit einer abgedichteten Kamera wie meiner Olympus E-M5. Ob sonnig oder bewölkt ist für mich hingegen nicht so entscheidend. Ein sonniger Morgen ermöglicht natürlich interessantere Lichtstimmungen (z.B. durch Gegenlicht), dafür gibt ein bedeckter Morgen viel mehr Zeit zum Fotografieren, bevor die Tiere aus ihrer Kältestarre erwachen.
Screenshots vom Google-Wetter. Der hier gezeigte Tag wäre für mich ein geeigneter Kandidat für eine morgendliche Tour.

Screenshots vom Google-Wetter. Der hier gezeigte Tag wäre für mich ein geeigneter Kandidat für eine morgendliche Tour.

3. Das passende Gebiet finden:

Das Schöne an der Makrofotografie ist, dass man sie im Prinzip überall durchführen kann. Jede noch so kleine Grünfläche beherbergt eine Vielzahl von Insekten und Spinnen. Für den Anfänger ist es dabei zunächst egal, ob man eine gewöhnliche Fliege, einen Marienkäfer oder eine seltene Libelle vor der Linse hat. Mit steigender Erfahrung steigen die Ansprüche, was sich im Wunsch nach spezifischeren Motiven äußert. Will man z.B. Libellen fotografieren, so braucht man ein Gebiet in Wassernähe. Ein erster Schritt, geeignete Gebiete zu finden, ist "Google Maps", um Gewässer, Wälder oder Wiesen in der Nähe zu entdecken. Meistens braucht man allerdings viel Zeit, ein neues Gebiet und dessen fotografische Möglichkeiten zu erschließen. Wenn man sich im Gebiet auskennt und z.B. weiß, welche Seite des Teiches am Morgen im Sonnenlicht liegt oder wann wo welche Pflanzen blühen, steigen die Chancen für eine erfolgreiche Fototour erheblich. Dies bringt mich zum nächsten Punkt.

4. Die Biologie der Tiere kennen:

Kenntnis über die Lebensumstände des Wunschmotivs sind der Schlüssel zum Erfolg. Suche ich eine bestimmte Libellenart, so informiere ich mich zum Beispiel, welche Ansprüche dieses an das Gewässer stellt. So bevorzugen viele Arten z.B. stehende Gewässer, während Prachtlibellen (Calopteryx sp.) vorwiegend an Bächen und Flüssen zu finden sind. Bei der Suche nach einer bestimmten Schmetterlingsart empfiehlt sich hingegen, die Futterpflanzen der Raupen zu kennen. Der Aurorafalter (Anthocharis cardamines), meiner Meinung nach einer der schönsten deutschen Schmetterlinge, legt seine Eier bevorzugt an Wiesenschaumkraut und Knoblauchsrauke ab. Findet man also ein Gebiet mit vielen dieser Pflanzen, stehen die Chancen gut, den begehrten Falter zu entdecken.

Links: Aurorafalter an seiner Futterpflanze, der Knoblauchsrauke. Rechts: Gebänderte Prachtlibelle im Schilf eines Fließgewässers.

So, das war meine Routine bei der Vorbereitung auf eine Makro-Tour. Die wichtigste Vorbereitungsmaßnahme lernt jedoch jeder Fotograf auf die harte Tour, nämlich dass die Akkus zu laden sind und die Speicherkarte in der Kamera besser aufgehoben ist, als zu Hause im Computer.

Viele Grüße,

Sören

Ein Leitfaden für Makrofotografen - Teil 1: Die Ausrüstung

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Teil 1: Die Ausrüstung

Teil 2: Die Vorbereitung

Teil 3: Die Kameraeinstellungen

Da ich gerne meine Erfahrungen im Bereich der Makrofotografie teilen möchte, habe ich mich dazu entschlossen, eine Serie an Blog-Einträgen zu schreiben, die meine Arbeitsweise erklären sollen.

Eine Sache vorweg, der folgende Leitfaden ist zugeschnitten auf meine Art der Makrofotografie, welche zu den in meinem Portfolio gezeigten Bildern führt. So benutze ich z.B. niemals einen Blitz und empfehle die Benutzung eines Stativs, wohingegen andere Makrofotografen die Flexibilität eines Blitzlichts höher gewichten. Nichtsdestotrotz sind viele der im folgenden aufgeführten Punkte für Makrofotografie im weitesten Sinne sinnvoll.

Im ersten Teil der Serie möchte ich euch zeigen, welche Ausrüstung ich benutze, warum ich das tue und was ich daran schätze / was mich daran nervt.

Der typische Inhalt meines Fotorucksacks (siehe Auflistung unten)

Folgende Ausrüstungsgegenstände finden sich in meinem Rucksack, wenn ich fotografieren gehe (im Bild von oben links nach unten rechts):

Das Wesentliche:

I. Die Kamera:

Derzeit nutze ich die Olympus E-M5 als meine Hauptkamera. Obwohl Makrofotografie generell keine sonderlich hohen Ansprüche an die Kamera stellt, so gibt es doch einige Eigenschaften, die das Leben leichter machen. Zu allererst sollte die Kamera eine "Live View" Funktion haben, mit der man bestimmte Bereiche des Bildausschnittes vergrößern kann. Dies ist ein Segen für manuelles und punktgenaues fokussieren (welches ich dringend empfehle für die Makrofotografie). Weiterhin hat die E-M5 ein drehbares Display. Da Natur-Makrofotografie hauptsächlich in Bodennähe stattfindet, möchte ich dieses Feature nie mehr missen.

Alle Olympus Kameras haben einen µFT Sensor, welcher 1/4 der Fläche eines Kleinbildsensors (=Vollformat) besitzt. Während dies sich generell negativ auf die Bildqualität in punkto Bildrauschen und Dynamik auswirkt, bietet ein kleinerer Sensor meiner Meinung nach Vorteile für die Makrofotografie. Der µFT-Sensor ist 17,3 mm breit. Mit einem 1:1 Makroobjektiv kann man also ein 17,3 mm langes Motiv bildfüllend darstellen. Eine Stubenfliege z.B ist ca. 6 mm groß. Bei größter Vergrößerung würde diese Fliege also 1/3 des Bildes einnehmen, was einen vernünftigen Kompromiss aus Detailreichtum und Bildgestaltung ermöglicht. Zum Vergleich, ein Kleinbildsensor hat eine Breite von 36 mm. Mit dem gleichen 1:1 Makroobjektiv an der Kamera und mit maximaler Vergrößerung würde die gleiche Fliege also nur 1/6 der Bildbreite einnehmen. In der Praxis bedeutet dies, dass man bei der Verwendung eines größeren Bildsensors deutlich häufiger "croppen" (crop = Bildausschnitt) muss (was man generell machen kann, da größere Sensoren in der Regel mehr Megapixel bieten). Für mich ist dies bei weitem nicht so zufriedenstellend wie das Bild direkt vor Ort mit der gewünschten Vergrößerung aufzunehmen. Alternativ bieten sich Zwischenringe an, um den Vergrößerungsfaktor zu erhöhen. Weiterhin bietet ein kleinerer Sensor eine erhöhte Schärfentiefe. Dies erlaubt die Verwendung offenerer Blenden im Vergleich zu großsensorigen Kameras, um alle gewünschten Bildelemente im Fokus zu haben. Dadurch kann man die Belichtungszeiten kurz halten und öfter den "sweet spot" des Objektivs in Hinsicht auf Schärfeleistung und Bokeh nutzen. Aber, Sensorgrößen-Diskussion sind ungefähr so fruchtbar wie Canon vs. Nikon oder Windows vs. Mac Diskussionen, daher soll es das an dieser Stelle gewesen sein. Neben meiner µFT-Ausrüstung benutze ich eine Sony A7 mit Vollformatsensor und finde die kleinere Sensorgröße oftmals vorteilhaft für meine Makrofotografie.

II. Das Stativ:

Als Neueinsteiger im Bereich der Makrofotografie werdet ihr schnell zwei frustrierende Dinge entdecken. Eure Schärfentiefe wird immer zu gering sein und somit verhindern, dass eure gewünschten Bildelemente alle scharf sind. Zweitens werden eure Belichtungszeiten immer zu lang sein (auch weil ihr die Blende schließt, um die Schärfentiefe zu erhöhen - ein Teufelskreis), was zu verwackelten und unscharfen Bildern führt. Ein Stativ hilft gegen diese beiden Probleme. Bei der Wahl eines Stativs solltet ihr darauf achten, wie niedrig ihr damit arbeiten könnt. Die meisten Motive befinden sich auf Kniehöhe und darunter, das solltet ihr bei eurer Wahl unbedingt beachten. Bei meinem Stativ haben ich sogar die Mittelsäule komplett ausgebaut, wodurch die Stativbeine nun komplett gespreizt und flach auf den Boden gelegt werden können. Mein Stativ ist noch ein Relikt aus meiner Zeit als DSLR-Nutzer und somit eigentlich etwas zu groß und schwer für meine derzeitige µFT-Ausrüstung. Die kompakten Ausmaße spiegelloser Systemkameras erlauben es hier also, auch beim Zubehör (Stativ, Kugelkopf), einiges an Gewicht einzusparen.

III. Das Makro-Objektiv:

Zu allererst: Alle modernen Makroobjektive sind ausreichend scharf. Ich habe schon so einige durch und bin systemübergreifend noch über kein wirklich schlechtes gestolpert. Dennoch gibt es feine Unterschiede, die wirklich helfen. Erstens, je länger die Brennweite des Objektivs, desto einfacher wird es für euch sein, euer Stativ zu positionieren, ohne euer Motiv zu verscheuchen. Kürzlich hat Panasonic ein 30 mm Makroobjektiv für das µFT-System herausgebracht. Eine solch kurze Brennweite halte ich für weitestgehend nutzlos für die Natur-Makrofotografie. Bei maximaler Vergrößerung ist der Arbeitsabstand so gering, dass euch das Motiv fast auf der Frontlinse sitzt und ihr es womöglich auch noch dadurch abschattet. Wenn ihr die Tücken einer solchen Brennweite allerdings meistert, könnt ihr euch mit einzigartigen Perspektiven im Makro-Kosmos belohnen.
Zweitens, eine Stativschelle ist sehr wertvoll für die Makrofotografie und ich bin sehr enttäuscht, dass diese bei vielen modernen Makroobjektiven eingespart wurde. Eine Stativschelle erlaubt euch, die Kamera zu rotieren (z.B. vom Hoch- ins Querformat), ohne die Schärfenebene zu verändern. Dazu werde ich im kommenden Blog-Eintrag zu den Foto-Techniken noch weiter ins Detail gehen.
Persönlich benutze ich hauptsächlich ein 25 Jahre altes Makroobjektiv (OM Zuiko 90mm f/2) mittels eines Adapters. Für den Adapter bietet Novoflex eine optionale Stativschelle an. Auch das µFT-eigene m.zuiko 60mm f/2.8 setze ich gerne ein. Ich hoffe, dass Olympus seine "Pro"-Serie irgendwann um ein 100 mm Makro mit Stativschelle erweitern wird.

Die Extras:

I. Bohnensack:

Manchmal kommt man auch mit dem besten Stativ nicht weit genug auf den Boden (z.B. bei der Amphibien- oder Pflanzenfotografie), oder manchmal möchte man aus Gewichtsgründen einfach kein schweres Stativ mitschleppen. In diesen Fällen bietet sich ein Bohnensack an. Dieser lässt sich auch leicht selbst herstellen und sollte im besten Falle wasserabweisend sein.

II. Die Pflanzenklammer:

In der Makrofotografie arbeitet man mit großen Vergrößerungen und relativ langen Verschlusszeiten, wodurch der Wind zum natürlichen Feind des Makrofotografen wird. Eine Pflanzenklammer (gekauft oder selbst gebaut) kann helfen, das Motiv gegen den Wind zu stabilisieren. Obwohl auf vielen Bildern im Netz so dargestellt, würde ich nicht empfehlen, die Klammer an einem Ende am Stativ zu befestigen, da man dann offensichtlich das Stativ nicht mehr bewegen kann, um evtl. leichte Korrekturen am Bildausschnitt vorzunehmen. Statt dessen nutze ich ein Taschenmesser als Erdnagel, an dem ich die Pflanzenklammer befestige.

III. Messer und Schere:

Wie oben beschrieben, dient mir ein Messer als Erdnagel für die Pflanzenklammer. Eine Schere ist ein nützlichen Utensil, um evtl. ins Bild ragende und störende Grashalme zu entfernen (Hinweis: Schaltet euer Gehirn ein, bevor ihr in der Natur etwas abschneidet und beachtet die Regeln in Naturschutzgebieten).

IV. Fernauslöser:

Kamera-Vibrationen sind besonders fatal, wenn man mit großen Abbildungsmaßstäben arbeitet. Das geringste Wackeln der Kamera wird eurem Bild signifikant an Schärfe kosten. Selbst die geringen Vibrationen, die bei DSLRs durch den Spiegelschlag oder die Verschlussbewegung verursacht werden, können diesen negativen Effekt haben. Um dies zu vermeiden, benutzt ein stabiles Stativ und aktiviert die Vibrationsreduktionsfunktionen eurer Kamera (Spiegelvorauslösung, "anti shock" etc.) und benutzt einen Fernauslöser. Falls ihr keinen besitzt, oder, wie in meinem Falle, euer Billig-Kabelfernauslöser ständig Kabelbruch hat, dann könnt ihr statt dessen auch einfach die Selbstauslösung (z.B. 2-Sekunden Timer) wählen.

V. Diffusor / Reflektor: 

Diese können als faltbare 5-in-1 Lösungen in verschiedenen Größen gekauft werden und beinhalten einen Diffusor und mehrere Reflektor-Überzüge in verschiedenen Farben (meist weiß, schwarz, silber und gold). Ich nutze den Diffusor oftmals, um weiches Licht auf meinem Motiv zu erzeugen. Da meine Hauptmotive Insekten sind und diese eine hoch reflektierende Oberfläche haben, verursacht direktes Sonnenlicht ausgebrannte Stellen und somit einen Verlust an Bilddetails. Weiterhin, indem ihr euer Motiv abschattet und den Hintergrund im Sonnenlicht belasst, könnt ihr helle, strahlende Bildhintergründe erschaffen.

VI. Makroschlitten:

Falls ihr Fokus-Stacking (mehrere Bilder mit unterschiedlichen Schärfenebenen kombinieren) betreiben wollt, benötigt ihr einen Makroschlitten, um eure Kamera zu bewegen, ohne den Bildausschnitt oder die Vergrößerung zu verändern. Doch auch für die normale Makrofotografie ist ein Makroschlitten nützlich, um präzise den Bildausschnitt oder den Fokus einzustellen. Ich nutze den Novoflex Castel Q und bin damit sehr zufrieden. Der Makroschlitten ist zwar kein "Must-Have", aber ein nützlicher kleiner Helfer.

 

Solltet ihr Fragen zu einzelnen Teilen haben, lasst mir einfach einen Kommentar da.

Der nächste Eintrag wird sich mit der erfolgreichen Vorbereitung einer Makro-Tour befassen.

 

Viele Grüße,

Sören

 

Forex-Prints von Whitewall

- english version -

Vor ein paar Wochen hat mir ein befreundeter Fotograf empfohlen, meine Bilder als Direktdruck auf Forex drucken zu lassen. Nach längerem Zögern habe ich mich dann entschlossen, zunächst einmal zwei meiner Bilder drucken zu lassen. Bisher habe ich meine Bilder immer auf Fotopapier ausbelichten lassen und diese gerahmt aufgehängt.

Heute nun kamen meine Bilder von Whitewall an. Dieser Blogeintrag soll meine ersten Eindrücke schildern.

Meine Bilder präsentiere ich am liebsten in zwei verschiedenen Formaten, 3:2 für Querformate und 4:3 (das native Sensorformat meiner µFT-Kamera) für Hochformat-Aufnahmen. Daher habe ich mich für Forex-Prints in den Größen 60x40 und 60x45 entschieden. Ich hätte zwar gerne noch größer gedruckt, aber beim doch recht hohen Preis und mir unbekannter Qualität des Produktes war ich doch lieber etwas vorsichtiger.

Der Bestellvorgang stellte sich unkompliziert dar und die Auswahl an verschiedenen Formaten war ausgezeichnet. Von der Bestellung bis zur Lieferung vergingen 9 Tage, was ich für einen guten Wert halte.

Heute nun hielt ich zwei (!) überraschend große Pakete mit komplett unterschiedlichen Formaten in den Händen:

Die Whitewall-Lieferung für 2 Forex-Prints

Noch nie habe ich von einem Print-Service so gut verpackte Bilder geliefert bekommen, beschädigte Ware (z.B. umgeknickte Ecken) sollten bei Whitewall also nicht auftreten, diese Verpackung würde wahrscheinlich einen nuklearen Angriff überstehen. Jedes Bild war einzeln auf einer mit Schaumstofffolie gepolsterten, ca. 1 cm starken Papp-Platte aufgelegt und mit reichlich Folie umwickelt. So löblich eine professionelle Verpackung auch ist, meiner Meinung nach hätte man die beiden Bilder auch ein einem Karton schicken können. Sollte es also Standard bei Whitewall sein, jedes Bild einzeln zu verpacken, so würde ich bei einer größeren Lieferung in Pappmüll ertrinken. Ich werde das in Erfahrung bringen und dann hier updaten. (UPDATE: Bilder des gleichen Formats werden in einem Paket geliefert.)

Das Innere der Whitewall-Lieferung. Eventuell waren die zwei unterschiedlichen Formate ausschlaggebend für die unterschiedlichen Verpackungsgrößen.

Beim Umdrehen der Bilder war die Verwunderung über den Verpackungswahnsinn dann sofort verschwunden, denn die Qualität des Forex-Drucks ist einfach hervorragend. Die Platten sind angenehm leicht, machen aber einen stabilen und haltbaren Eindruck. Die Oberfläche ist matt und die Farben hervorragend. Insgesamt wirken sie ein wenig "sanfter" als meine bisherigen Foto-Abzüge, was sehr schön mit den pastelligen Farben meiner Bilder harmoniert

Das Ergebnis, ich bin sehr zufrieden mit der Qualität

Ein für mich sehr angenehmer Vorteil des Forex-Drucks ist das geringe Gewicht der Platten. Mit grade mal 380 g hält der 60 x 45 Druck an zwei sehr kleinen Nägeln an der Wand. Die Wände meiner Wohnung sind extrem hart, so dass man mit Nägeln eigentlich nur in den Putz kommt. Für die Forex-Platten reicht das locker aus, für Bilderrahmen hätte ich richtig bohren müssen. An der Rückseite der Platten sind dafür einfache, aber effektive Wandaufhängungen angebracht:

Die einfachen Wandhalterungen der Forex-Platte

Dadurch bietet sich diese Art des Drucks auch hervorragend für Austellungen an, hier glänzt diese Technik durch schnellen Auf- und rückstandslosen Abbau. Einziger Wermutstropfen - der Preis. Für eine Ausstellung mit ~15 Bildern müsste man hier doch ordentlich Vorkasse leisten. Vielleicht gibt es ja einige glückliche Fotografen, deren Austellungen von  Sponsoren unterstützt werden, für diese möchte ich die Forex-Technik ausdrücklich empfehlen.

Das Gewicht des 60x45 Drucks. Nicht wundern, der Schmetterling ist bei diesem Foto "out of focus", das Original ist knackscharf

Wie in meinem letzten Blog-Eintrag zu lesen, bin ich kürzlich nach Rostock umgezogen und bisher wirkte alles noch etwas steril. Dank der Bilder von Whitewall kommt nun etwas Farbe an die Wand. Wie bereits erwähnt, die Bilder hätten gerne auch noch größer werden können, was dem ohnehin schon hervorragenden Eindruck noch weiter verstärken würde.

Meine ehemals leere Wohnzimmerwand

Fazit: Ich bin mit dem Forex-Direktdruck von Whitewall überaus zufrieden und werde auf jeden Fall nochmals bestellen. Ich kann all meinen befreundeten Fotografen nur empfehlen, sich selber ein Urteil zu machen.

Pro:

  • Schnelle Bestell-Bearbeitung
  • Sichere Verpackung
  • Exzellente Qualität (Farben, Schärfe, Material)
  • Geringes Gewicht
  • Einfache Wand-Anbringung

Contra:

  • Preis
  • Extrem viel Pappmüll

 

Viele Grüße,

Sören

Umzug nach Rostock / Move to Rostock

Hallo Naturfreunde,

das letzte Update im Blog ist nun schon eine gefühlte Ewigkeit her. Ich bin vor Kurzem für einen neuen Job in die Hansestadt Rostock gezogen. Sobald Wetter und Zeit also mitspielen, werden hoffentlich Naturfotografien aus dieser Ecke Deutschlands folgen.

Ein erstes Bild seht ihr unten.

Grüße,

Sören

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Dear nature lovers,

some time passed since my last Update. I recently moved to the City of Rostock / Germany for a new job. As soon as the weather and my time allows it, I will hopefully create some new natur photography shots from my new hometown.

A first image is shown below.

best,

Sören

Gespensterwald bei Nienhagen

Das Portfolio wurde erweitert

Ich habe die Galerie um ein paar ältere Festplattenfunde erweitert. Viel Spaß beim Durchstöbern. Benannt sind die Fotos nur in der Portfolio-Rubrik:

Der Unterschied zwischen Groß- und Kleinlibellen

- english version -

Der heutige Blogeintrag soll ein leichter Einstieg in die Libellenkunde sein. Das Zielpublikum ist dabei der Spaziergänger ohne Vorkenntnisse. Libellenexperten brauchen diesen Eintrag nicht zu lesen.

Die Ordnung der Libellen (Odonata) lässt sich in zwei Unterordnungen einteilen, die ich in diesem Beitrag vorstelle, so dass jeder Laie diese später leicht ansprechen kann. Die Unterordnungen der Libellen sind die Großlibellen (Anisoptera) und die Kleinlibellen (Zygoptera). Manch einer wird sich vielleicht denken, dass die Namensgebung doch schon alles verrät. Doch ganz so leicht ist es nicht, denn es gibt sowohl kleine Großlibellen, als auch größere Kleinlibellen. Gehen wir nun also die einzelnen Merkmale Schritt für Schritt und bebildert durch.

1. Fangen wir am Anfang des Lebens einer Libelle an. Libellen haben im Wasser lebende Larven, diese klettern am Ende der "Jugend" aus dem Wasser, die alte Haut bricht auf und die erwachsene Libelle steigt heraus. Einen Libellenschlupf kann man meist vormittags an Gewässern beobachten und es ist ein faszinierendes Ereignis. Nach dem Abflug der Libelle bleibt die leere Larvenhülle (Exuvie) am Schilf zurück. Zur Bestimmung, ob es sich um eine Groß- oder Kleinlibelle handelt, kann man die Unterschiede im Bau der Larvenhülle heranziehen. Aber auch der Schlupfprozess ist unterschiedlich.

Larven von Kleinlibellen sind deutlich schlanker und besitzen am Hinterleibsende drei sogenannte Kiemenblättchen, die die Sauerstoffaufname aus dem Wasser unterstützen. Großlibellenlarven sind deutlich kräftiger gebaut und besitzen keine sichtbaren Kiemenblättchen (vgl. nachstehene Bilder). Auch am Schlupfprozess lassen sich Groß- und Kleinlibellen unterscheiden. Kleinlibellen schieben sich nach oben aus der Larvenhaut, Großlibellen tun dies kopfüber.

Libellenschlupf: Kleinlibelle links, Großlibelle rechts. Kleinlibellenlarven besitzen sichtbare Kiemenblättchen am Hinterleibsende, Großlibellen nicht. Kleinlibellen steigen meist nach oben aus ihrer Larvenhülle, Großlibellen verbringen die erste Trocknungsphase meist kopfüber.

2. Die Flügelstellung ruhender Libellen unterscheidet sich zwischen Groß- und Kleinlibellen. Während Kleinlibellen ihre Flügel in Ruhestellung zusammenlegen können, besitzen Großlibellen diese Fähigkeit nach dem Jungfernflug nicht mehr (kurz nach dem Schlupf sind auch die Flügel der Großlibellen zusammengelegt). Im Schilf sitzende Libellen sieht man also entweder mit offenen Flügeln (Großlibellen), oder mit angelegten Flügeln (Kleinlibellen).

Links: Kleinlibellen ruhen meist mit zusammengelegten Flügeln. Rechts: Großlibellen können die Flügel nicht zusammenlegen.

Natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Kleinlibellen der Familie Lestidae (Teichjungfern), ruhen mit gespreizten Flügeln, was Ihnen den englischen Namen "Spreadwings" einbrachte. Diese gehören zu den größeren Vertretern der Kleinlibellen, sind aber aufgrund der anderen Merkmale dennoch eindeutig als solche zu identifizieren.

Die gemeine Binsenjunfger, ein Vertreter der Teichjungfern, ruht mit abgespreizten Flügeln und stellt somit eine Ausnahme unter den Kleinlibellen dar.

3. Die Augenpaare sind bei Kleinlibellen deutlich voneinander getrennt, während sie bei Großlibellen an der Kopfoberseite zusammenstoßen.

Unterschiedliche Kopfform. Während bei der Kleinlibelle (links) die Augen vollkommen voneinander getrennt sind, stoßen sie bei der Großlibelle (rechts) an der Kopfoberseite zusammen.

Zusammenfassung:

Kleinlibellen: Larven mit Kiemenblättchen am Hinterleib. Libellen sitzen mit geschlossenen Flügeln, Augen klar getrennt.
     - Ausname Teichjungfern: Larven mit Kiemenblättchen am Hinterleib. Libellen sitzen
       mit gespreizten Flügeln, Augen klar getrennt.

Großlibellen: Larven ohne Kiemenblättchen am Hinterleib, Libellen sitzen mit offenen Flügeln, Augen stoßen zusammen.

 

Wer sich tiefergehend über Libellen informieren möchte, dem sei ganz herzlich die Seite Libellenwissen.de von Andreas Thomas Hein empfohlen.

Viele Grüße,

Sören

Der Biber am Beebe-Lake (Ithaca)

-english version-

Mein letzter Blog-Eintrag ist nun einen Monat her, so sollte das eigentlich nicht laufen. Der lange Winter im Osten der USA (siehe vorherige Blogeinträge) hat mir leider einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Anfang der "Insekten-Saison" nach hinten verschoben. Die ersten Libellen schlüpfen nun, für einen Blog-Eintrag reicht es aber noch nicht.

Daher gibt es heute ein paar Bilder, die ich auf meinem Heimweg nach der Arbeit angesammelt habe. Dieser führt um den Beebe-Lake, welcher zwei Biber beheimatet. Die Fotos genügen sicherlich nicht allerhöchsten Qualitätsansprüchen, aber ich finde sie dennoch zeigenswert. Zunächst gibt es aber erst einmal ein kurzes Video von diesem interessanten Geschöpf (bitte in HD abspielen).

Der Biber ist ein reiner Pflanzenfresser, der sich von Kräutern, Sträuchern und Wasserpflanzen ernährt. Zusätzlich verzehrt er Zweige, Rinde und Blätter der von ihm gefällten Bäume. Letzteres macht ihn in der Forstwirtschaft zu einem unbeliebten Schädling. In einer Nacht kann ein Biber einen bis zu 50cm dicken Baum fällen und somit beträchtlichen Schaden am Baumbestand anrichten.

Verjährte Biberverbisse

Die Bäume im Biber-Habitat werden daher mit Manschetten aus Draht geschützt, wie in den folgenden zwei Beispielbildern zu sehen.

Baumschutz. Der rote Pfeil zeigt auf den im Hintergrund schwimmenden Biber

Verjährter Biberverbiss hinter Gittern

Am Beebe-Lake haben sich Mensch und Biber jedoch miteinander arragiert. Jedes Jahr werden die Bäume beschnitten, um über den Wanderweg hängende Äste zu entfernen. Anstatt diese Äste zu schreddern, werden sie am Wegesrand abgelegt. In der Nacht holen sich die Biber diese Äste, was man jeden Morgen an den Spuren im Schotter sehen konnte. Im unteren Beispiel hat der Biber seinen "Beutezug" scheinbar abgebrochen, und den Ast auf halber Strecke liegen lassen.

Die Biber holen sich nachts die abgesägten Äste am Wegesrand weg

Hier hat der Biber versucht, einen Ast ins Wasser zu ziehen.

Obwohl am Beebe-Lake längst nicht alle Bäume eingezäunt sind, konnte ich keine frischen Biberschäden entdecken. Das Buffet, dass ihnen die Menschen am Wegesrand hinterlassen, scheint ihren Bedarf zu decken. Ein gelungenes Beispiel für gut gemachten Biberschutz, wie ich finde.

Nordamerikanischer Biber (Castor canadensis) vor seiner Biberburg

Vielen Dank für's Lesen, beim nächsten Mal gibt es dann hoffentlich Bilder von Insekten, was mehr meiner Expertise entspricht.

Viele Grüße,

Sören

Salamander-Wanderung

- english version -

In der Nacht vom Freitag auf Samstag (4./5. April) war es endlich so weit. Es war mit 6°C relativ warm und es regnete. Die perfekte Nacht für die Amphibienwanderung zu den Laichgewässern. In der Nähe meiner Wohnung befindet sich ein Golfplatz, in dessen Zentrum sich ein kleines Waldgebiet mit mehreren Temporärgewässern befindet. Zu hunderten krochen die Salamander in dieser Nacht über das kurz geschorene Grün und waren dementsprechend leicht ausfindig zu machen. Es war stockdunkel, meine Taschenlampe am Ende und ich bin ein furchtbar schlechter Filmer, dennoch möchte ich eine kurze Videosequenz zeigen, um euch trotz aller technischen Mängel einen Eindruck dieser Nacht zu geben.

In dieser Nacht wanderten die schlicht, dunkel-grau gefärbten Jefferson Salamander und die gelb-gefleckten Salamander. Zwei Bilder im Schein der schwachen Taschenlampe dürfen natürlich nicht fehlen.

Jefferson Salamander (Ambystoma jeffersonianum)

Gefleckter Salamander (Ambystoma maculatum)

Diese Tiere bei der Wanderung zu beobachten, war ein tolles Naturerlebnis, fotografisch waren die Bedingungen jedoch sehr schlecht (ich besitze keinen Blitz). Daher bin ich am folgenden Morgen zum Sonnenaufgang nochmals zum Teich gegangen und konnte noch ein paar Exemplare der gefleckten Salamander vorfinden. Die Tiere sind mit einer stark-reflektierenden Schleimschicht überzogen, so dass sich der Einsatz eines Polfilters empfiehlt. Wie man leicht erkennen kann, hatte ich keinen dabei. Ich habe mir nun einen bestellt und hoffe, dass ich noch einmal die Gelegenheit bekommen werde, diese Tiere vor die Linse zu bekommen.

Gefleckter Salamander (Ambystoma maculatum)

Gefleckter Salamander (Ambystoma maculatum)

Zum Abschluss nochmal eine dokumentarische Draufsicht. Wie man sieht, unterscheidet sich die Fleckung deutlich vom europäischen Feuersalamander, welcher insgesamt auch einen höheren Gelbanteil aufweist.

Gefleckter Salamander (Ambystoma maculatum)

Viele Grüße,

Sören

Eisige Winter-Umarmung

- english version -

Eigentlich hatte ich den Plan, den nächsten Blogpost über die Amphibienwanderung zu verfassen. Leider hat der Winter Ithaca noch fest im Griff. Ich war daher noch einmal bei den Taughannock Fällen, in Begleitung meiner Freunde Daniel Zurek und David Duneau (Ein tolles Video zur Tour von Daniel gibt es auf Youtube).

Taughannock Falls, NY

Zwischenzeitlich sind Massen von Kanadagänsen nach Ithaca zurückgekehrt und warten auf den Beginn der Brutsaison. Leider müssen auch sie sich scheinbar noch ein wenig gedulden. Mit den folgenden Bildern habe ich versucht, die eisige Stimmung am Teich einzufangen. Dabei geben die Gänse einen interessaten Größenmaßstab, so dass man erahnen kann, welche Massen an Eis sich über den Winter am Beebe-See angesammelt haben.

Kanadagänse. Beachtet die enormen Eisschollen im Hintergrund.

Verständlicherweise waren die Gänse nicht allzu bewegungsfreudig. Bewundernswert, welche Temperaturen diese Tiere ertragen können. Das folgende Foto wurde am 27. März 2014 bei -14°C aufgenommen.

Überfrorene Kanadagänse

Am Ende der morgendlichen Fototour kam dann doch noch einmal kurz die Morgensonne heraus, so dass die Bildcharakteristik sofort ein wenig lebendiger wurde.

Also dann, der nächste Blog wird sich mit Amphibien beschaffen, die Hoffnung auf den Frühling habe ich noch nicht verloren.

Viele Grüße,

Sören

Frostige Grüße, Sören

Winter in Ithaca

- english version -

Der erste Blog-Eintrag auf meiner neu gestalteten Seite soll dem Winter in meiner temporären Heimat, Ithaca im Staat New York, gewidmet werden, wo ich derzeit als Biologe an der Cornell Universität arbeite.
Ithaca ist eine Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern, wobei 20.000 allein auf Studenten der Cornell Universität entfallen. Man kann hier als wahrlich von einer Studentenstadt sprechen, so dass Ithaca in der vorlesungsfreien Zeit schon etwas geisterhaftes hat. Doch wer die Natur liebt, der wird sich hier wohlfühlen. Der Campus der Cornell-Universität (in der Abbildung in braun) wird von zwei tiefen, wasserführenden Schluchten (Fall Creek & Cascadilla Creek) durchzogen. Diese erlangten leider traurige Berühmtheit durch Selbstmord-Fälle, so dass sich an jeder Brücke Schilder der "Krisen-Hotline" befinden, durch die Suizidgefährdete mit Psychologen in Kontakt treten können.

City of Ithaca, 14850 NY

City of Ithaca, 14850 NY

Für den Fotografen und Naturliebhaber allerdings bieten die zahlreichen Wasserfälle innerhalb dieser Schluchten einen beeindruckenden Anblick. Und auch in der näheren Umgebung Ithaca`s gibt es zahlreiche dieser Naturschauspiele zu sehen. Passend zur Winterzeit (wir haben hier einen richtigen Winter), möchte ich ein paar Bilder aus dieser Jahreszeit zeigen. Wochenlange Temperaturen zwischen -10°C und -20°C erschufen beeindruckende Eisformationen.

Da wären zunächst die "Triphammer Falls", die ich täglich auf den Weg zur Arbeit passiere. Diese entstanden durch einen künstlichen Staudamm am "Beebe-Lake" und sind daher fotografisch etwas schwerer in Szene zu setzen. Mit dieser Tele-Aufnahme habe ich daher versucht, alle anthropogenen Elemente auszublenden.

Triphammer Falls, Ithaca (NY)

Weiter flussabwärts finden sich dann die "Ithaca-Falls", die in den Sommermonaten als beliebte Badestelle großen Zulauf finden. Da meine Bilder dieser Wasserfälle ihre wahre Größe nicht wirklich wiedergeben können und man dort leider nie gutes Licht vorfindet, habe ich mich hier für ein Selbstportrait entschieden, um diese massive Eiswand zu zeigen.

Ithaca Falls, Ithaca (NY)

Der zweifelsohne berühmtesten Wasserfall der Gegend befindet sich ca. 15 Fahrminuten außerhalb Ithacas. Die "Taughannock Falls" haben eine größere Fallhöhe als die Niagara-Fälle, führen aber natürlich bei Weitem nicht so viel Wasser. Die fotografischen Möglichkeiten sind hier leider sehr limitiert. Der beeindruckende Kessel liegt ganztägig im Schatten. Die beste Aussicht findet sich von einer Plattform, die im Winter leider gesperrt ist.

Taughannock Falls, Ulysses (NY)

Aber auch außerhalb der großen Wasserfälle, beeindruckende gefrorene Strukturen finden sich an jeder Ecke. Dennoch hoffe ich, dass nun der Winter bald dem Frühling weicht.

Eiszapfen

Ich hoffe, dass euch mein erster Blog-Post gefallen hat, ich werde versuchen, regelmäßig Einträge zu verfassen und freue mich über Kritik und Anregungen.

Viele Grüße,
Sören