Der Unterschied zwischen Groß- und Kleinlibellen

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Der heutige Blogeintrag soll ein leichter Einstieg in die Libellenkunde sein. Das Zielpublikum ist dabei der Spaziergänger ohne Vorkenntnisse. Libellenexperten brauchen diesen Eintrag nicht zu lesen.

Die Ordnung der Libellen (Odonata) lässt sich in zwei Unterordnungen einteilen, die ich in diesem Beitrag vorstelle, so dass jeder Laie diese später leicht ansprechen kann. Die Unterordnungen der Libellen sind die Großlibellen (Anisoptera) und die Kleinlibellen (Zygoptera). Manch einer wird sich vielleicht denken, dass die Namensgebung doch schon alles verrät. Doch ganz so leicht ist es nicht, denn es gibt sowohl kleine Großlibellen, als auch größere Kleinlibellen. Gehen wir nun also die einzelnen Merkmale Schritt für Schritt und bebildert durch.

1. Fangen wir am Anfang des Lebens einer Libelle an. Libellen haben im Wasser lebende Larven, diese klettern am Ende der "Jugend" aus dem Wasser, die alte Haut bricht auf und die erwachsene Libelle steigt heraus. Einen Libellenschlupf kann man meist vormittags an Gewässern beobachten und es ist ein faszinierendes Ereignis. Nach dem Abflug der Libelle bleibt die leere Larvenhülle (Exuvie) am Schilf zurück. Zur Bestimmung, ob es sich um eine Groß- oder Kleinlibelle handelt, kann man die Unterschiede im Bau der Larvenhülle heranziehen. Aber auch der Schlupfprozess ist unterschiedlich.

Larven von Kleinlibellen sind deutlich schlanker und besitzen am Hinterleibsende drei sogenannte Kiemenblättchen, die die Sauerstoffaufname aus dem Wasser unterstützen. Großlibellenlarven sind deutlich kräftiger gebaut und besitzen keine sichtbaren Kiemenblättchen (vgl. nachstehene Bilder). Auch am Schlupfprozess lassen sich Groß- und Kleinlibellen unterscheiden. Kleinlibellen schieben sich nach oben aus der Larvenhaut, Großlibellen tun dies kopfüber.

Libellenschlupf: Kleinlibelle links, Großlibelle rechts. Kleinlibellenlarven besitzen sichtbare Kiemenblättchen am Hinterleibsende, Großlibellen nicht. Kleinlibellen steigen meist nach oben aus ihrer Larvenhülle, Großlibellen verbringen die erste Trocknungsphase meist kopfüber.

2. Die Flügelstellung ruhender Libellen unterscheidet sich zwischen Groß- und Kleinlibellen. Während Kleinlibellen ihre Flügel in Ruhestellung zusammenlegen können, besitzen Großlibellen diese Fähigkeit nach dem Jungfernflug nicht mehr (kurz nach dem Schlupf sind auch die Flügel der Großlibellen zusammengelegt). Im Schilf sitzende Libellen sieht man also entweder mit offenen Flügeln (Großlibellen), oder mit angelegten Flügeln (Kleinlibellen).

Links: Kleinlibellen ruhen meist mit zusammengelegten Flügeln. Rechts: Großlibellen können die Flügel nicht zusammenlegen.

Natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Kleinlibellen der Familie Lestidae (Teichjungfern), ruhen mit gespreizten Flügeln, was Ihnen den englischen Namen "Spreadwings" einbrachte. Diese gehören zu den größeren Vertretern der Kleinlibellen, sind aber aufgrund der anderen Merkmale dennoch eindeutig als solche zu identifizieren.

Die gemeine Binsenjunfger, ein Vertreter der Teichjungfern, ruht mit abgespreizten Flügeln und stellt somit eine Ausnahme unter den Kleinlibellen dar.

3. Die Augenpaare sind bei Kleinlibellen deutlich voneinander getrennt, während sie bei Großlibellen an der Kopfoberseite zusammenstoßen.

Unterschiedliche Kopfform. Während bei der Kleinlibelle (links) die Augen vollkommen voneinander getrennt sind, stoßen sie bei der Großlibelle (rechts) an der Kopfoberseite zusammen.

Zusammenfassung:

Kleinlibellen: Larven mit Kiemenblättchen am Hinterleib. Libellen sitzen mit geschlossenen Flügeln, Augen klar getrennt.
     - Ausname Teichjungfern: Larven mit Kiemenblättchen am Hinterleib. Libellen sitzen
       mit gespreizten Flügeln, Augen klar getrennt.

Großlibellen: Larven ohne Kiemenblättchen am Hinterleib, Libellen sitzen mit offenen Flügeln, Augen stoßen zusammen.

 

Wer sich tiefergehend über Libellen informieren möchte, dem sei ganz herzlich die Seite Libellenwissen.de von Andreas Thomas Hein empfohlen.

Viele Grüße,

Sören