Ein Leitfaden für Makrofotografen - Teil 3: Die Kameraeinstellungen

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Teil 1: Die Ausrüstung

Teil 2: Die Vorbereitung

Teil 3: Die Kameraeinstellungen

Heute möchte ich mit euch durch meine empfohlenen Kameraeinstellungen zur Makrofotografie gehen. Hierzu habe ich das sogenannte "Super Control Panel" meiner Olympus E-M5 abfotografiert. Diese praktische Menü zeigt mit einen Knopfdruck die wichtigsten Einstellungen, die dann auch direkt in diesem Menü mit Hilfe der Tasten und Räder verändert werden können.

Das Olympus SCP (Super Control Panel): Alle relevanten Einstellungen auf dem Bildschirm

Das Olympus SCP (Super Control Panel): Alle relevanten Einstellungen auf dem Bildschirm

Generelle Kamera-Einstellungen

  • Der ISO-Wert:
    Bei der Makrofotografie geht es um Details, daher ist Bildrauschen noch störender als in anderen Genres der Fotografie. Daher gilt: Setzt den ISO-Wert auf "Base-Iso" (häufig ist dieser 100, bei der E-M5 ist es 200), es sei denn, die Verwacklungsgefahr aufgrund langer Belichtungszeiten zwingt euch dazu, die Sensorempfindlichkeit zu erhöhen.
     
  • Der Bildstabilisator (IS):
    Laut Herstellerangaben ist es empfohlen, den Bildstabilisator zu deaktivieren, wenn man mit dem Stativ fotografiert. Angeblich führt dieser ein Eigenleben, wenn es keinerlei Verwackelungen zu stabilisieren gibt. So richtig sichtbar ist dieser Effekt meiner Erfahrung nach allerdings nicht.
     
  • Der Weißabgleich (WB):
    Der automatische Weißabgleich verrichtet für mich zuverlässig seinen Dienst. Im RAW-Format lässt sich der Weißabgleich zudem auch nachträglich korrigieren.
     
  • "Anti-Shock" und Timer: Da ich mittlerweile schon mehrere Kabelbrüche bei Kabelfernauslösern hatte (wer billig kauft, kauft doppelt...), benutze ich meistens einfach den kamerainternen 2s Self-Timer. Das Ziel ist, keine Schwingungen vom Auslöse-Vorgang auf die Kamera zu übertragen, bzw. diese "abschwingen" zu lassen, bevor die Kamera auslöst. Den Timer kombiniere ich mit der sogenannten Anti-Shock Funktion (symbolisiert durch das Rauten-Symbol). Bei spiegellosen Kameras ist der Verschluss im Ruhezustand offen, bei der Aufnahme schließt er sich also zunächst, bevor er dann für die Aufnahme wieder geöffnet wird. Dieser Vorgang verursacht kleine Vibrationen. Die Anti-Shock Funktion bewirkt, dass zwischen dem Schließen und dem Öffnen des Verschlusses eine kleine Pause eingelegt wird, so dass die Vibrationen abklingen können. Ein ähnliches Ziel verfolgt die "Spiegelvorauslösung" bei DSLRs.
     
  • Der Fokus-Modus: Der AF ist im Makro-Bereich kaum zu gebrauchen. Manueller Fokus (MF) ist hier das Mittel der Wahl.
     
  • Das Speicherformat: Ich empfehle auf jeden Fall das RAW-Format zu benutzen, dann mit diesem lassen sich Weißabgleich, Belichtung, Farbtemperatur, Kontrast etc. verlustfreier korrigieren. Dazu werde ich auf jeden Fall noch was schreiben, wenn dieser Leitfaden beim Thema Bildbearbeitung angekommen ist. Zusätzlich speichere ich noch die JPGs in maximaler Qualität, denn diese sind bei Olympus teilweise so hervorragend, dass sich eine RAW-Bearbeitung erübrigt.
     
  • Die Belichtungskorrektur: Ich korrigiere die Belichtungszeit meistens etwas nach oben(z.B. + 0,7 oder sogar + 1,0, wie im Screenshot zu sehen), denn zum Einen mag ich meine Bilder recht hell, zum anderen führt Schattenaufhellung bei der Olympus schnell zu unschönem Bildrauschen. Generell halte ich mich an die Regel: Expose to the right.

     

Blende und Belichtungszeit

Eines der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Makrofotografie ist die Wahl der passenden Blende. Je geschlossener die Blende (=je größer die Blendenzahl), desto größer ist die Schärfentiefe. Den Effekt auf das Foto habe ich versucht, mit unten zu sehender Blendenreihe zu verdeutlichen. Gleichzeitig verlängert sich beim schließen der Blende die Belichtungszeit, da weniger Licht auf den Sensor fällt.

Was können wir anhand dieser Blendenreihe erkennen? Das erste Bild wurde mit Offenblende (f/2) geschossen und es leidet unter zu geringer Schärfentiefe. Wichtige Teile des Motivs (z.B. die Flügelkante) befinden sich nicht in der extrem dünnen Schärfenebene und der Hintergrund ist zu einem monotonen Grün geworden, was das Foto ziemlich langweilig macht.
Die beiden folgenden Bilder (f/4 und f/5,6) gefallen mir gut. Die relevanten Teile des Insekts sind scharf und der Hintergrund bekam ein bisschen Struktur durch in der Unschärfe liegende gelbe Blüten. Das f/5,6 Bild ist hierbei mein Favorit, da der Hintergrund noch mehr Farbnuancen enthält, ohne störend zu wirken. Bei Blende f/8 ist dieser Effekt noch verstärkt, wobei der Hintergrund hier schon mit dem Auge des Betrachters um Aufmerksamkeit konkurriert. Außerdem kommen wir bei f/8 langsam in Belichtungszeiten, die sich nur bei absoluter Windstille realisieren lassen. Bei f/11 zeichnet sich bereits ein Dickicht aus Grashalmen im Hintergrund ab. Das Bild mit maximal geschlossener Blende (f/22) zeigt den krautigen Hintergrund und hat eine Belichtungszeit von 1,3 Sekunden, wodurch sich Verwacklungen sehr einfach einschleichen können. Weiterhin lässt die Schärfeleistung der Objektive bei derart geschlossenen Blenden ab (Stichwort Beugungsunschärfe).

Für Anfänger empfiehlt es sich auf jeden Fall, das gleiche Motiv mit verschiedenen Blendeneinstellungen zu fotografieren, dann oftmals zeigen sich kleine, aber wichtige Unterschiede erst zu Hause am größeren Bildschirm.

Zu beachten ist, dass die Schärfentiefe auch von der Sensorgröße abhängig ist. Der Sensor einer Kleinbildkamera ist viermal so groß wie der meiner Olympus. Um die gleiche Schärfentiefe zu erreichen, muss die Kleinbildkamera also 2 Blendenstufen weiter abgeblendet werden. Mein Favorit der oben gezeigten Blendenreihe (f5,6) entspräche also f/11 mit einer Kleinbildkamera. Dies kann dazu führen, dass die resultierenden langen Belichtungszeiten mit einer Erhöhung des ISO-Wertes kompensiert werden müssen. 
Kompaktkameras haben das umgekehrte Problem: Ihr Sensor ist klein, die Schärfentiefe dadurch sehr groß. Dies führt dazu, dass oftmals schon bei Offenblende der Hintergrund störend scharf ist (vgl. f/22 in obiger Blendenreihe).

Beste Grüße,

Sören