Amphibienwanderung 2016

Während in Teilen Deutschland die Laichzeit einiger Amphibienarten schon wieder zu Ende geht, so hat sie im Norden Deutschland grade erst begonnen.  Nun machen sich also wieder Erdkröte, Grasfrosch und Moorfrosch auf den Weg zu ihren Laichgewässern, um als erste Amphibien des Jahres Teiche und Tümpel zu besiedeln.

Die Wanderung aus den Winterquartieren im Wald beginnt mit den ersten frostfreien (> 5°C) und feuchten Nächten. Dies ist auch der Grund für die starken regionalen Unterschiede im Zeitpunkt dieser Wanderung. Im Frühjahr 2015 z.B. waren die Nächte in Rostock entweder warm, oder feucht. Die Kombination aus beiden Faktoren blieb lange Zeit aus, so dass eine richtige Massenwanderung überhaupt nicht stattfand.

Nun, am 02.04.2016 war es nun endlich auch in Rostock soweit. Schon auf dem Weg zu den Wald-Gewässern, an denen ich fotografieren wollte, musste ich immer wieder anhalten und wandernde Frösche und Kröten von der Straße sammeln. Also, liebe Autofahrer: Gebt im Frühling Acht auf wandernde Amphibien, besonders nach milden, feuchten Nächten.

In diesem Blogpost möchte ich drei der früh wandernden Amphibienarten Deutschlands kurz vorstellen, den Grasfrosch, den Moorfrosch und die Erdkröte. Dabei geht es hier vorrangig um schöne Bilder und wichtige Merkmale, denn für Details gibt es ja Wikipedia.

Grasfrosch (Rana temporaria)

Der Grasfrosch bildet zusammen mit dem Moorfrosch (Rana arvalis) und dem Springfrosch (Rana dalmatina) die Sammelgruppe der Braunfrösche. Die drei Braunfrosch-Arten sind nicht ganz einfach zu unterscheiden, aber das geschulte Auge erkennt die Unterschiede, die nachfolgend aufgeführt werden.

Der Grasfrosch ist mit im Schnitt 7 - 10 cm Kopf-Rumpf-Länge der größte Braunforsch und wirkt meist etwas "plump". Farblich sind die Grasfrösche sehr variabel, so dass die Farbe kein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal ist. Die Männchen können zur Laichzeit durch die Ansammlung von Lymphflüssigkeit leicht bläulich erscheinen (siehe nachstehendes Foto) , jedoch nicht so stark wie die Männchen des Moorfrosches.

Der Ruf des Grasfrosches klingt wie ein Knurren.

männlicher Grasfrosch (Rana temporaria) mit leichter Blaufärbung zur Laichzeit.

Die Weibchen des Grasfrosches hingegen weisen des Öfteren einen erhöhten Rotanteil auf. Zur Paarungszeit werden sie von den Männchen mit deren starken Vorderbeinen umklammert (siehe Bild unten). Diese Amplexus genannte Umklammerung dient der Konkurrenzvermeidung und der Sicherstellung der Befruchtung, sobald Eier und Sperma ins Wasser entlassen werden.

Grasfrosch-Paar im Amplexus

Moorfrosch (Rana arvalis)

Der Moorfrosch ist schlanker und zierlicher als der Grasfrosch (Kopf-Rumpf-Länge 5-6 cm). Auch der Moorfrosch ist farblich sehr variabel. Als Unterscheidungsmerkmal zum Grasfrosch dient das in Relation zum Auge kleinere Trommelfell sowie die Schnauzenform. Während diese Beim Grasfrosch eher rund und stumpf ist, ist sie beim Moorfrosch eher schnabelförmig (siehe unten).

männlicher Moorfrosch (Rana arvalis) im blauen "Balzkleid"

Zur Laichzeit färben sich die Moorfrosch-Männchen intensiv blau. Die Stärke der Blaufärbung variiert nach meiner Erfahrung mit der Bestandsdichte der Population. Umso mehr Frösche in einem Teich balzen, desto stärker ausgeprägt ist die Blaufärbung. Für den Naturfotografen sind die blauen Frösche ein beliebtes Motiv. Da die Blaufärbung aber meist nur eine Woche anhält, sollte man in kurzen, regelmäßiges Abständen die Laichreviere aufsuchen, um den Höhepunkt der Balz nicht zu verpassen. Der Moorfrosch ist in Deutschland stark gefährdet, mit Populationsschwerpunkten im Norden und Osten Deutschlands.

Der Ruf des Moorfrosches klingt wie das Gluckern, das eine Flasche beim Untertauchen im Wasser macht. Klingt doof, ist aber so.

Moorfrosch (Rana arvalis) mit Laich

Erdkröte (Bufo bufo)

Die Erdkröte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 9 cm (Männchen) bis 12 cm (Weibchen). Die größeren Weibchen zeichnen sich zudem durch einen erhöhten Rotanteil aus. Im Gegensatz zu den Fröschen besitzen Kröte eher kurze Hinterbeine und bewegen sich daher auf allen Vieren schreitend. Neben dem Grasfrosch gehört die Erdkröte zu den häufigsten Amphibien Europas.
Oftmals finden sich Erdkrötenpaare schon auf der Wanderung zum Laichgewässer, woraufhin sich das Männchen huckpack zum Laichgewässer tragen lässt (Amplexus). In den meisten Erdkrötenpopulationen herrscht ein starker Männchenüberschuss, sodass man oft beobachten kann, wie mehrere Männchen ein Weibchen umklammern. Diese überschwängliche Begattung kann auch zum Ertrinken des Weibchen führen. Auch Fehl-Umklammerungen zwischen zwei Männchen kommen häufig vor. Um diese Fehlpaarung zu signalisieren, stoßen die umklammerten Männchen oft hohen Quiecktöne aus.

Erdkröten-Paar (Bufo bufo) im Amplexus auf dem Weg zum Laichgewässer

Für Naturfotografen ist die Laichzeit der heimischen Amphibien immer eine tolle Möglichkeit. Dieses beeindruckende Schauspiel sollte man nicht verpassen. Die liebestollen Frösche legen deutlich weniger Scheu an den Tag als im Rest des Jahren, so dass man sich so auf nahe Distanz nähern kann.

 

Viele Grüße,

Sören