Bei den Heidelibellen 2017

Motiv-Vielfalt, das ist so eine Sache hier in Norddeutschland. Viele der bei Makrofotografen begehrten Insekten gibt es in Schleswig-Holstein schlicht nicht. Auf Schmetterlingshaft, Schwalbenschwanz und Co muss man hier verzichten. Und auch für die heimischen Schmetterlinge scheint 2017 bisher ein sehr schlechtes Jahr zu sein. Bis auf einige vereinzelte Aurorafalter und Wiesenvögelchen ist mit dieses Jahr noch nichts vor die Linse gekommen.

Umso mehr freue ich mich, dass 2017 bisher ein sehr erfolgreiches Libellenjahr ist. Los ging es mit großen Zahlen der frühen Adonislibelle, weiter ging es mit Massen an Falkenlibellen. Und jetzt, Mitte Juli, sehe ich in meinem Stamm-Gebiet in einem kleinen Moor bei Kiel eine nie zuvor gesehene Anzahl an schwarzen Heidelibellen.

Diese sitzen derzeit dicht an dicht im Schilf, an Binsen und in der Heide. Fotografisch kann mich sich dadurch richtig austoben. Einige Ergebnisse meiner morgendlichen Ausflüge möchte ich hier vorstellen.

Los ging es am 09. Juli, als ich früh morgens (4:30 Uhr) mit Patrick Pohlmann im Moor unterwegs war. Auf dieser Tour konnte ich die folgenden beiden Bilder machen. Beide Bilder zeigen eine männliche schwarze Heidelibelle. Die unterschiedliche Färbung der beiden Tiere ergibt sich durch das unterschiedliche Alter der Tiere. Mit steigendem Alter nimmt die namensgebende schwarze Färbung immer weiter zu. Die schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae) gehört mit einer Körperlänge von ca. 5 cm zu den kleinsten Großlibellen Deutschlands.

Männliche Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae), junges Exemplar

Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae), älteres Männchen

Am Freitag, den 14. Juli war ich erneut im Moor. Um 4:30 war ich vor Ort, um 8:00 saß ich pünktlich im Büro. Dieser Zeitdruck war vielleicht ganz hilfreich, denn ich tendiere ansonsten dazu, mir an einem Motiv die Zähne auszubeißen, bis es meiner Meinung nach perfekt ist. An diesem Morgen allerdings ergab sich durch das Zusammenspiel zweier ruhender Heidelibellen die Gelegenheit für ein paar gestalterische Spielereien. Ich bin also mit einer Speicherkarte voller verschiedener Versionen nach Hause gekommen. Da ich mich kaum für eine entscheiden kann, zeige ich hier also einen Rundumschlag in meinem Blog.

Weibchen (vorne), im Hintergrund zeichnen sich die Flügel des Männchens ab.

In diesem Fall saßen Weibchen (vorne) und Männchen (hinten) in einem Abstand von ca. 20 cm voneinander. Durch die Wahl der geeigneten Blende erzeugte ich das meiner Meinung nach richtige Maß an Unschärfe auf dem hinteren Tier, so dass dieses noch klar als Libelle zu erkennen ist, den Blick aber nicht vom Hauptmotiv ablenkte.

Männchen (scharf) mit Weibchen (unscharf)

Obiges Bild ist im Prinzip eine Umkehr der vorherigen Version. Der Fokus wurde hier auf das Männchen gelegt, welches im vorangegangenen Bild noch das Hintergrundelement bildete. Lasst euch vom Bildeindruck nicht täuschen, das Männchen sitzt immernoch hinter dem Weibchen, durch welches ich quasi hindurchfotografiert habe, um eine unscharfe, aber dennoch erkennbare Silhouette zu erzeugen.

Collage zweier Ansichten mit verschiedenem Fokus

Oben seht ihr beide Fokus-Versionen im Vergleich. Der Grad der Unschärfe des Nebendarstellers ist ungefähr gleich, ich finde allerdings die linke Version etwas spannender, da Silhouette hier etwas großer ist, was den üblichen Sehgewohnheiten widerspricht und daher Spannunng erzeugt.

Zum Abschluss gibt es nochmal zwei Bilder, in denen beide Libellen am gleichen Halm sitzen. Eines ist eine normale Detailansicht, das andere ist eine experimentelle Version mit minimalem Schärfepunkt, die mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist.

Männchen (links) und Weibchen (rechts)

Schärfepunkt nur auf dem Flügelfleck.

Ich hoffe, ihr habt Freude an diesem eher bildlastigen Blog-Artikel. Über Feedback in Form von Kommentaren würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüße,

Sören